Sonntag, 23. Januar 2011

TV-Series: STAR TREK: DEEP SPACE NINE (1992 - 1999)

Ein Review über eine Serie wie "Star Trek: Deep Space Nine" zu schreiben, ist eine grössere Aktion.



Inhalt:
Commander Benjamin Sisko (Avery Brooks) übernimmt das Kommando über die Deep Space Nine, eine veraltete Raumstation im Orbit Bajors, einer religiösen Welt, welche sich gerade von der Besetzung durch die Cardassianer erholt. Siskos Auftrag: Den Bajoranern beim Wiederaufbau ihrer Welt zu helfen und diese in die Föderation einzugliedern. Die Entdeckung eines stabilen Wurmlochs im Bajoranischen Sternensystem macht die Sache für den neuen Kommandanten nicht einfacher, führt dieses Gebilde doch in den Gamma Quadranten, eine weit entfernte und unbekannte Ecke unserer Galaxie...

"Star Trek: Deep Space Nine" (kurz DS9) war und ist die untypischste aller Trek-Serien. Hier gibt es kein Raumschiff Enterprise, keine neuen Zivilisationen zu entdecken (zumindest ist dies nicht der Auftrag Siskos) und die Stories spielten sich auch nicht auf einem Föderationsflaggschiff oder sonst einer wichtigen Location ab. DS9 ist eine Station "am Allerwertesten der Galaxis", Bajor, eine zu Beginn total unbedeutende Welt und die Crew besteht nicht aus piekfeinen Rikers und Picards, sondern aus eher bodenständigen Arbeitern wie O'Brien, aus einem jungen Arzt wie Bashir, der frisch sein Medizinstudium beendet hat, aus Dax, einer jungen Frau mit einem 300 Jahre alten wurmähnlichen Wesen im Bauch, welches in Symbiose mit dem Wirten lebt. Auch Commander Sisko ist kein typischer Star Trek-Kommandant, da er zum einen auch nicht Captain ist, sondern nur ein kleiner Commander, kein Über-Captain wie Kirk, kein Diplomat wie Picard. Sisko, gequält durch den Tod seiner Frau, ist ein aufbrausender Charakter, der sich zudem um seinen Sohn sorgt, ihn nicht in diesem unwirtlichen und kalten Gebilde grossziehen will. Vervollständigt wird die Crew durch Kira, einer Bajoranerin, die als XO für Sisko fungieren soll und durch Odo, Sicherheitschef und Formwandler zu gleich. War bei den vorherigen Serien spätestens hier Schluss mit dem Maincast, gibts hier jedoch auch noch einige Charaktere, welche keine Crew-Funktion besitzen, sondern einfache Zivilisten sind, wie zum Beispiel die Ferengi, die Vedeks und Kais von Bajor, der cardassianische Schneider (und Ex-Spion) Garak, etc. Ein wahrlich bunt gemischter Haufen.


Season 1

DS9 hatte zu Beginn so seine Probleme. Die Serie wusste nicht, wo sie hin sollte. Der Pilotfilm ("Der Abgesandte") gilt auch heute noch als schwierig, jedoch nicht unbedingt als wahnsinnig actionreich. Das religiöse Thema der Bajoranischen Götter prägte die Geschichte total und wer hier einfache SciFi erwartet, kann sich gut und gerne gelangweilt oder überfordert fühlen. Die erste Season genoss den Auftritt einiger bereits bekannter Charaktere. Jean-Luc Picard gab den symbolischen Startschuss für die Serie.


Die klingonischen Schwestern Lursa und B'etor oder auch Lwaxana Troi besuchten die Station. Die Absicht der Macher war klar - die Zuschauer der "
The Next Generation" dank dieser Gastauftritte zu DS9 zu locken. Im Grossen und Ganzen ist die erste Season von DS9 eine der schwächsten Star Trek-Staffeln überhaupt. Teilweise war es sogar äusserst peinlich mitanzusehen, was das Team um Rick Berman und Ira Steven Behr hier produzierte. Das Rumpelstilzchen gehört in ein Kinderbuch und nicht in eine erwachsene SciFi-Serie. Andererseits fällt eine der wohl besten Star Trek-Folgen überhaupt in diese Season. Die Folge "Der undurchschaubare Marritza" ist Aufarbeitung des Holocausts in Science Fiction-Form und lässt den Zuschauer wirklich mit offenem Mund zurück. Aber das wars auch schon mit den Highlights. Eines ist wohl klar. Im jetzigen TV-Zeitalter hätte DS9 wohl spätestens nach Season 1 sein trauriges Ende gefunden.


Season 2

Die zweite Season hatte schon mehr Drive zu bieten. Mit einem knackigen Dreiteiler (unter anderem eine Art Die Hard-Ripoff darunter) startete DS9 in das zweite Jahr. Die Stories wurden interessanter und actionreicher, die Charaktere bekamen mehr Konturen und die Macher wussten langsam, in welche Richtung die Serie sich hin entwickeln soll. Das Dominion, ein unheimlich mächtiger Gegner aus dem Gamma Quadranten wurde sorgfältig eingeführt. Ebenso der Maquis, eine truppe menschlicher Freiheitskämpfer - oder Terroristen - je nach Sicht der Dinge, wurde ebenso implementiert. Das Finale dieser Season ist grossartig und liess die Zuschauer zappelnd auf dem Sessel zurück.


Season 3

Für DS9 wurde die Lage ein wenig heikel. "Star Trek: The Next Generation" war zu Ende und die Serie um Picard und seine Crew machte den Sprung auf die Kinoleinwand. Leider konnte DS9 sein alleiniges Dasein auf dem TV-Screen nicht geniessen, denn "Star Trek: Voyager" stand bereits in den Startlöchern und bot dem Zuschauer die wiederrum einfachere Form von Star Trek. Die Produzenten jedoch realisierten, dass die fehlende Möglichkeit der Bewegung der Serie sehr zu schaffen machte. Zwar waren die Protagonisten stets in kleinen Shuttles, sogenannten Runabouts, unterwegs, aber Ira Steven Behr wusste, dass ein richtiges Schiff benötigt wurde um die Zuschauer weiter zufrieden zu stellen - und auch um der Dominion-Story gerecht zu werden.


Die
U.S.S. Defiant wurde kreiert, ein kleines Schlachtschiff, welches optisch an einen rassigen Sportwagen erinnert. Dieses Schiff ermöglichte Sisko endlich auch mal Stärke zu zeigen, was dem Zuschauer auch eher das Gefühl gab, dass die Crew das Geschehen rund um Bajor und die Station ein wenig im Griff hat.


Mit Season 3 konnte DS9 die Steigerungskurve weiter anheben. Und dies nicht nur wegen der Defiant. Mit Jonathan Frakes wurde der wohl prominenteste Gaststar seit Pilotfolge auf der DS9 begrüsst ("
Defiant") und die Serie wurde noch komplexer, da jetzt auch bekannte Rassen des Trek-Universums langsam in den Konflikt mit dem Dominion hereingezogen wurden und die Bedrohung kam näher und näher...


Season 4

Die vierte Staffel ist eine der hochwertigsten Trek-Staffeln überhaupt. Mit Michael Dorn und seinem Charakter Worf konnte DS9 den wohl hochkarätigsten Zugang verzeichnen. Worf brachte neuen Schwung in die Mannschaft, brauchte aber seine Episoden, um zu wissen, was seine Position innerhalb der Crew genau darstellt.


Mit einem Paukenschlag in Form einer Doppelfolge ("
Der Weg des Kriegers") startete Season 4 und stellte die Trek-Welt komplett auf den Kopf. Es roch nach Krieg. Julian Bashir spielte in der Holosuite James Bond ("Unser Mann Bashir", grandiose Episode) Die beste Folge der Staffel ist jedoch eine leise. "Der Besuch" zeigt dem Zuschauer eine mögliche Version der Zukunft Jake Siskos und geht echt ans Herz.

Season 5

Star Trek feierte seinen dreissigsten Geburtstag und mit einer Jubiläumsfolge wurde dies zelebriert. In "Immer die Last mit den Tribbles" wurde das Setting einer alten Classic-Episode genommen und mit "Forrest Gump-FX" perfekt in eine neue Ds9-Episode verpackt. Der Teenager Jake Sisko lernt die Grausamkeiten des Krieges kennen ("Die Schlacht um Ajilon Prime"), die Föderation wurde infiltriert und der Krieg mit dem Dominion geht erst richtig los. Die Season endete mit einem weiteren Fausthieb in des Zuschauers Magen ("Zu den Waffen") und Season 6 wurde erst richtig lanciert.

Season 6

Ganz im Zeichen des Krieges und der Verzweiflung stecken die ersten sechs Episoden dieser Staffel. Der Kriegsverlauf nahm eine kleine Wende, aber die Lage wurde für unsere Helden trotzdem immer prekärer, was darin endete, dass Sisko selbst einige unpopuläre Massnahmen ergreifen musste, um den Krieg wieder in andere Bahnen zu lenken (grandios - "In fahlem Mondlicht"). Mit Vic Fontaine wurde ein Charakter in Form eines Hologrammes geschaffen, der der Crew vorallem psychisch sehr unter die Arme griff ("Auf seine Art"). Gespielt vom Schauspieler und Sänger James Darren wurde Vic zu einer äusserst beliebten Figur in Form eines Swing-Sängers der 60er Jahre. Schlussendlich endete diese Season sehr traurig und wir mussten von einem populären Charakter abschied nehmen ("Tränen der Propheten").

Season 7
And now, the end is near... Staffel 7 bot dem Zuschauer einfach alles. Ein neuer (und zugleich alter) Charakter kam auf die Station ("Das Gesicht im Sand"), es wurde Baseball gespielt ("Wettkampf in der Holosuite") und die Fronten zwischen Gut und Böse wurden entgültig geklärt. Und was DS9 nun endgültig zum Erwachsenen-Trek machte, war das Geschehen rund um den jungen Sternenflottenoffizier Nog ("Die Belagerung von AR-558", "Leben in der Holosuite"). Die Serie endete mit einem 90minütigen Finale, geprägt von grandioser Action, Tod und Bestimmung. Ein bittersüsser Abschied einer grandiosen Serie, der nur schwer in Worte zu fassen ist, ist doch irgendwie alles vorhanden, was der Fan dieser Serie zum Abschluss noch sehen wollte ("Das, was du zurücklässt")

Fazit: Dieses Review ist ein Aufschrei an alle, die Serien mit "Trek" im Titel sofort mit "Nerdism" oder kindischer Karton-SciFi gleichsetzen. "Deep Space Nine" ist ein Genuss, eine Serie, die alle Facetten des Lebens auf seine Weise verarbeitet. Ich vermisse noch immer diese Crew und deren Stories, die Freundschaftliche Bande zwischen O'Brien und Bashir ("Jeeruuuusaaaleeeeem"), Siskos Umgang mit seiner Funktion als Abgesandter, Kira und Odo, Jake und Nog oder auch die teils geniale Ferengi-Folgen. Schön, findet sie Serie zumindest in Buchform ihre Fortsetzung.

Kommentare:

Dominix hat gesagt…

Jaja DS9, eine Serie die sich von "was tue ich mir hier an" bis "scheisse, ich muss dringend die nächste Folge sehen" rasant steigert.

Speziel das ganze Kriegsgeschehnis, was in dieser Form Trek Neuland war, war genial.

Vielleicht ist es gut, dass man nach Staffel 7 aufgehört hat. Was hätte noch kommen, ohne dass es langweilig geworden wäre?

turon47 hat gesagt…

Moin Dompathug,

Also prinzipiell finde ich es ja schön, dass Du einer über zehn Jahre alten Serie Platz für eine Rezension gibst. Und meine Leidenschaft für Star Trek schließt selbstverständlich auch diese Serie mit ein.
Abba wie ich bereits schon einmal gestand, ist die Serie in meinen Augen nicht unbedingt die stärkste aller Star-Trek Serien - eher im Gegenteil.
Warum das so ist, kann nach Deiner Rezension kaum nachvollziehen, denn man sollte fairerweise auch die Kritikpunkte anführen, die stärker ins Gewicht fallen.
So ist DS9 wohl auch jene Serie, di am stärksten dem Konzept des Star-Trek-Erfinders Gene Roddenberrys widerspricht. Zu viele persönliche Konflikte (das an sich finde ich eigentlich nicht schlimm, sondern eher, dass sich am Ende trotzdem alle total lieb haben) und vor allem, dass nicht die friedliche Erforschung oder nachdenkliches Science-Fiction, sondern ein brutaler Krieg die Zuschauer bei der Stange hält. Einschaltquoten mit Blutzoll, sozusagen.
Zudem sollte man nicht unerwähnt lassen, dass die Ähnlichkeiten zu Babylon 5 sehr augenscheinlich sind - nicht zuletzt wohl, weil Babylon-5-Erfinder Straczynski seinen Projektentwurf zuerst den Star-Trek-Verantwortlichen unterbreitete. Ein existenzbedrohender Krieg, es gibt Weltraumportale und vor allem der pseudoreligöse Aspekt offenbaren deutliche Parallelen. (für weitere siehe hier: http://www.firstones.com/wiki/Similarities_between_Babylon_5_and_Star_Trek:_Deep_Space_Nine )
Und besonders der religiöse Aspekt nervt auf die Dauer gehörig. Folgen wie "Heilige Visionen" oder der im Vergleich zu den anderen Star-Trek-Serien-Finalen schlechteste Schlusspunkt wirkten viel zu bemüht oder schlichtweg zu dämlich, als dass man sie hätte ernst nehmen können.
Genug gemeckert. Wie gesagt, freue ich mich eigentlich, dass Du die Serie besprochen hast, auch wenn einige (vielleicht nur mir) wichtige Punkte mir dann doch gefehlt haben. Vielelicht ist das auch in dem Rahmen einer Gesamtbetrachtung etwas mühselig, denn jede Folge für sich betrachtet wäre zwar toll, aber eine wahre Sisyphos-Arbeit...

Dominik Hug hat gesagt…

@Dominix:
Hab mir schon gedacht, dass du hier antwortest :) Dito, seh's genau so. Die ersten Folgen damals waren mir einfach zu strange. Erst mit der Einführung des Dominion fing die Sucht bei mir an. Und klar, irgendwann war der Drops gelutscht, aber was mir trotzdem fehlt, ist nun eine Serie, die an das Geschehen im Alpha Quadrant anschliesst. Das ganze TNG-DS9-VOY-Universum liegt nun brach und wird leider nur in Büchern fortgesetzt. Dabei wäre es doch zu schön, jetzt eine Serie zu haben, die etwa 10 Jahre nach Ende von VOY/DS9 spielt. Das ist es, was ich am meisten bedauere.

@Turon47:
Ich wusste, von dir werd ich auch was hören :) Freut mich aber. Zu deinen einzelnen Punkten. Roddenberrys Vision in aller Ehren, aber DS9 brachte doch vorallem den Faktor Konflikt in das bis dahin so saubere Trek-Universum hinein. Für mich waren die persönlichen Konflikte der Crew und auch die politischen Intrigen und Scharmützel viel interessanter als Captain Kirks wöchentliche Ausflüge zum nächsten Indianer-Römer-Zombieplaneten, dazu eine Story, welche nicht nach 45 Minuten fertig ist, sondern sich wie ein roter Faden durch die Serie zieht. Das passte mir sehr gut.

Ich widerspreche dir hart in dem Punkt "alle haben sich am Ende lieb". Wenn dem so wäre, dann wäre Kai Winn lieb geblieben, dann wäre Gul Dukat mit Sisko am Ende nach Risa in die Ferien geflogen. Alleine die Verabschiedung von Odo und Quark war keine "ich hab dich lieb - umarme mich"-typische Byebye-Szene. Worf und Bashir werden gegen Ende wohl ebenso nicht die besten Freunde gewesen sein.

Die Parallelen zu Babylon waren mir bekannt und ich habs mit Babylon auch versucht, habe sogar die komplette Serie zu Hause rumstehen, aber mehr als ein paar Folgen der Season 1 konnte ich nicht absorbieren. Das ist mir einfach zu uninteressant, schmeckt mir nicht, sah zu plump und langweilig aus.

Der Aspekt Religion ist doch eigentlich richtig gut dargestellt worden, aber dies ist natürlich Geschmackssache. Eher passend fand ich jetzt z.B. in "Heilige Visionen", wie Sisko die Bajoraner vor einem Eintritt in die Föderation gewarnt hat und dies sich dann eine halbe Season später auch begründet.

Und von wegen schlechtester Schlusspunkt (Finale). Auch hier, meine persönliche Meinung, aber mit "All good things" sehe ich "What you leave behind" als die besten Schlussepisoden einer Trekserie an. Classic hatte ja kein richtiges Ende, Voyager... naja... und Enterprise... über dieses Ende mag ich gar nicht reden :)

Das gibt mir nun eine Diskussion ;)

TaiFei hat gesagt…

Tja, ne richtige Diskussion ist ja nicht zustande gekommen. ;)

Ich persönlich mag DS9 von allen ST-Serien am liebsten. Die Übernahme des Arc-Konzepts analog B5 war imho die richtige Wahl. Klar die erste Staffel war hier noch außen vor. Hatte aber auch schon einige gute Folgen. „Der undurchschaubare Maritza“ ist, wie schon erwähnt, eine der besten ST-Episoden überhaupt. Ferner waren auch „Der Fall Dax“, Mullibok´s Mond“ und „Blasphemie“ recht gut. Ich persönlich habe weniger mit der ersten als mehr mit der letzten so meine Probleme. Das liegt vor allem an Dax. Durch die notgedrungene Einführung des neuen Charakters wird diesem zuviel Zeit zugestanden. Damit wird der Arc vernachlässigt, so dass der Rest dann ziemlich gehetzt wirkt. Damit macht man den Fehler, dass man die GROSSE Bedrohung des Dominions etwas relativiert. Probleme hatte ich auch mit der Figur des Vic Fontaine. Der bekommt für eine Holofigur zuviel Zeit, zumal man das Tempo der Episoden mit dem Ausspielen praktisch jedes Schoobidoo-Songs erheblich drückt.
Ich stimme mit Dir völlig überein, dass der Religionsbezug sehr gut umgesetzt wurde. Das lag vor allem auch an der Figur von Kai Winn. Schon die Episode „Shakaar“ in welcher sie direkt nach politischer Macht greift, gibt dem Thema eine große Bedeutung. Erst recht dann ihre endgültige Pervertierung in der 7. Staffel.