Sonntag, 1. Juli 2012

SCHULE


Dieses von Kratzern übersäte und verstaubte Jewelcase ist noch dasselbe wie damals im Jahr 2000. Und es hat weiss Gott was alles gesehen und erlebt, wurde als Bieruntersetzer missbraucht und ich könnt schwören, aus mir komplett unerfindlichen Gründen kommt mir beim Öffnen des Cases ein seltsamer Geschmack entgegen, welcher nur von einer bestimmten Pflanzengattung stammen kann...

Inhalt:
Der letzte Schultag von Markus beginnt gleich mit einem Schockerlebnis sondergleichen. Am Lokalradio lässt ihn seine Freundin Sandra mit seinem Kosenamen "Schnubbi" grüssen. Derweil hat Dirk seine eigenen Probleme und muss unbedingt seine Mathe-Abschlussprüfung bestehen. Andre will zwar eigentlich seine Freundin zurück, poppt jedoch immer noch wild in der Gegend rum. Der Kiffer Steven ist einfach nur high und wurde von der Armee ausgemustert und Schulabgänger und Bad Boy vom Dienst Stone hat es wiederum auf Sandra abgesehen. Es ist definitiv Schulzeit.

Der Kiffer, der Streber, das Dummchen, der Fremdgeher, der Dicke, der Türke, der etwas unsichere Normalo, die grosse Schwester, die nette Kollegin - so in etwa sind die Charaktere in dem Film "Schule" zu benennen. Charaktere, die wir schon bei der Erstsicht zu kennen scheinen. Kein Wunder, jeder hatte doch einen sandalentragenden Streber mit Brille und Bart in seiner Klasse sitzen. Jeder hatte eine hübsche, jedoch miesgelaunte Spassbremse irgendwo neben sich sitzen. Und jeder von uns versuchte sich irgendwie durch seine Prüfungen zu mogeln.

Die Charaktere machen den Film aus. Es sind nicht einzelne Gags, welche als Highlights im Gedächtnis haften bleiben sondern eher diese Szenen unter Freunden, welche uns doch so vertraut vorkommen, die Diskussionen über Frauen und Träume, das gemeinsame Seekiffen, der Zusammenhalt unter Schulkameraden, etc. Der Film wirkt beinahe wie eine Dokumentation, nicht wie ein Film, so aus dem Leben gegriffen wirkt die Story auf den Zuschauer. Jedoch wäre diese Atmosphäre nicht möglich gewesen, hätte der Film nicht so einen sensationellen Cast bekommen. Daniel Brühl konnte hier seine erste grosse Hauptrolle verbuchen. Auch Axel Stein, Jasmin Schwiers, Niels-Bruno Schmidt oder Bettina Zimmermann sind ebenso mit von der Partie und machen allesamt einen richtig guten Job.

Es ist schade, wirbt das Cover des Film mit Vergleichen zu "American Pie" oder "Harte Jungs", denn Regisseur Marco Petry hat mit seinem ersten Langfilm zwar auch eine Komödie geschaffen, jedoch eine, welche über Titten-Muschi-Sperma-Fick-Bier-Kiff-Kotz-Humor hinausgeht. Petry hat es geschafft, die Zukunftsängste, die Unsicherheit und die Findung der eigenen Persönlichkeit und den Aspekt der Freundschaft auf einen Nenner zu bringen.

Unterstrichen wird die Atmosphäre des Films von einem Soundtrack, der zum grössten Teil aus Songs von Selig-Sänger Jan Plewka besteht und mir auch nach zwölf Jahren noch immer im Gehör hängt.

Fazit: "Schule" ist Nostalgie pur. Der perfekte deutsche Coming of Age-Film und für mich eines der besten deutschen Werke überhaupt.

Schulnote 6.0





1 Kommentar:

Genzel hat gesagt…

Ein großartiger Film. Sehr witzig und eine schwelgerische Erinnerung an den Moment, wo die Schule aus ist und man nicht so genau weiß, wie das Leben weitergehen wird. Petrys zweiter Film, DIE KLASSE VON '99, ist übrigens auch hervorragend - weitaus düsterer und weniger witzig, aber er fängt diese kurze Phase der Orientierungslosigkeit in der Nachschulzeit hervorragend ein.

Auf der SCHULE-DVD ist ja auch Petrys exzellenter Kurzfilm POPPEN mit dem jungen August Diehl - nicht verpassen!