Zwischen den Serien-Staffeln "24" hat Kiefer Sutherland stets ein paar Wochen Zeit um einen Kinofilm abzudrehen. Dieses Jahr war "Mirrors" dran, ein Ausflug ins Horror-Genre...
Inhalt:
Der Polizist Ben Carson erschoss aus versehen seinen Kollegen - landet bei der Flasche und bekommt den blauen Brief. Nachdem er sein Leben einige Monate (und viele Pillen) später wieder einigermassen in den Griff bekommt, akzeptiert er den Job als Wachmann eines abgebrannten Kaufhauses. Die nächtlichen Runden machen Ben schwer zu schaffen. Die Spiegel, die ihm bedrohliche Bilder suggerieren und ihn schier in den Wahnsinn treiben - sind das alles nur Hirngespinste oder steckt da tatsächlich etwas übernatürlich böses dahinter...?
Ich bin absolut kein Experte im Horror-Bereich. Doch "Mirrors" hat mir schlussendlich doch ganz gut gefallen. Regisseur Alexandre Aja hat es geschafft, eine ungemütliche und beklemmende Atmosphäre auf die Leinwand zu zaubern. Vielleicht kein absolutes Meisterwerk. Doch ein paar Schockmomente fahren einem doch ganz gut durch den Körper. Freunde der härteren Szenen kommen leider nur stellenweise auf ihre Kosten. Dafür in einem Fall ganz speziell. Da tritt jemand wirklich ganz hässlich aus dem Leben.
Kiefer Sutherland spielt einen gebrochenen Typen. Es wirkt, als hätte er einfach kurz vom "24"- aufs "Mirror"-Set gewechselt. Nicht, dass er dies schlecht gemacht hätte. Aber die Merkmale waren doch zu gross. Und vor allem in der letzten halben Stunde ist Sutherland im "Jack Bauer"-Modus. Da trat doch mehrmals ein Grinsen auf mein Gesicht. Der Rest des Casts ist ganz nett. Amy Smart darf sich als Carsons Schwester wieder einmal entblättern (bekommt die ihre Rollen nur deshalb? - keine Kritik meinerseits!! ;-)). Paula Patton als Carsons Frau ist gut besetzt, ebenso werden die beiden Kinder gut gespielt. Der Kleine hat in einigen Szenen auch etwas echt unheimliches an sich.
Die Story, angehaucht durch einen Mix von Mystery, Horror (gut, viel Horror) und etwas Drama, nimmt einen interessanten Verlauf. Vielleicht nichts wirklich Neues. Doch der Genremix passt gut zusammen. Und als dann der Film im letzten Drittel noch ein wenig auf "Exorzist" macht, ist die Mischung perfekt. Passt gut, meiner Ansicht nach. Diskutabel ist der Schluss, welcher auf jeden Fall einige Fragen offen lässt. Ich sehe schon ein Direct-to-DVD Sequel kommen...
Fazit: "Mirrors" ist ein ordentlicher Horrorthriller. Kiefer Sutherland ist Jack Bauer - und er kanns auch nicht mehr ablegen. Jedoch hats in "Mirrors" gut gepasst. Kann man weiter empfehlen.
Die lange ersehnte Fortsetzung zu "Casino Royale" wurde nach nur 2 Jahren Realität. Ein vielversprechender Trailer und eine wie immer riesige Werbekampagne halfen zudem mit, die Vorfreude auf "Quantum of Solace" auf das Maximum zu steigern.
Inhalt: Mr. White flieht, nachdem er brav über eine Geheimorganisation ausgesagt hat, welche diverse Geheimdienste schon unterwandert hat, mithilfe eines Komplizen aus dem Verhör vor Bond und M. Bond macht sich natürlich umgehend auf die Jagd. Er stösst debei auf Dominic Green, Boss einer Umweltschutzorganisation, welche jedoch andere Ziele verfolgt. Von Siena nach Haiti, über Österreich, nach Bolivien jagt Bond der Organisation Quantum nach - vom MI6 mehr oder weniger im Stich gelassen.
Marc Forster ist ja nicht gerade bekannt für die Regie an harten Actionfilmen. Er ist ein mehr als ordentlicher Independent-Regisseur, dessen Werke stets etwas verzaubernd-verstörendes ausstrahlen. War er der richtige für dieses Big Budget-Unternehmen namens "Quantum of Solace"?
Die Story setzt gleich nach dem Ende von "Casino Royale" ein. Bond, unterwegs in seinem Aston Martin, wird durch die Pampa gejagt. Geböller, Explosionen, Unfälle, leider total verwackelt und verhackt gedreht, erkennt der Zuschauer teilweise nur spärlich, was da gerade passiert. Und in diesem Sinne gehts eigentlich auch weiter. Fast jede anständige bondesque Szene wird plötzlich von einem Anfall von Action abgelöst. War die Parkour-Idee anfangs von Casino Royale noch eine geniale Idee, welche auch exzellent umgesetzt wurde, wird hier jedes Actiongetümmel ganz grässlich dargstellt. Klar inspiriert durch die Jason Bourne-Filme (die ich ja eigentlich mag), ist der Zuschauer ein Opfer der Wackelkamera. Diese Szenen wurden zudem extrem schlecht zusammengebastelt. Und die Idee, in welcher Bond sich zu Beginn des MI6-Angreifers an den Seilen entledigt, wurde sogar in "Half Past Dead" zumindest Epileptikerfreundlicher dargestellt. Die baldige Bootsjagd in Haiti war ein wenig besser umgesetzt. Jedoch auch hier kann das Bild nicht genossen werden - es wackelt noch und nöcher. Passen solche Stilmittel perfekt zur Jason Bourne-Franchise, finde ich diese bei einem Bondfilm sehr unangebracht. Bond will genossen werden. Die Flugzeugjagd im Mittelteil war jedoch einiges besser.
Überzeugend und bondgerecht war die Szene in Bregenz. Die ganze Szene rund um die Aufführung war perfekt gelungen - da kam Bondfeeling auf. Ein seltenes Gefühl für mich in diesem Film. Denn, ansonsten wirkt Bond nur gestresst, hetzt von Szene zu Szene. Früher liess sich Bond auch mal Zeit, genoss einen Wodka Martini, ein Hotelzimmer und eine Frau. Heute gibts fast keine Zeit mehr für solche "Nebensächlichkeiten", welche hier im Kurzdurchlauf abgespult werden. Bond ist im Jason Bourne-Modus. Schade, denn ich mag mich erinnern, dass vorallem Bonds extravaganter Lebensstil immer ein grosser Grund war, die Bondfilme zu mögen. Bond hatte stets immer alles im Griff, Hauptsache der Anzug sitzt und der Aston Martin steht vor der Hütte. Schade, ist man von den Werten der Serie mittlerweile so weit entfernt wie Pluto von der Sonne.
Was jedoch gut harmonierte waren Daniel Craig und Judi Dench. Judi Dench, seit 13 Jahren als "M" im Amt, passte schon zu Brosnan wie die Faust aufs Auge. Auch Craig ergänzt sie als MI6-Boss sehr gut. Schön, haben die beiden hier ein wenig mehr Szenen miteinander. Daniel Craig als Bond muss man nicht in Frage stellen. Sein explosiv-bedrohliches Wesen passt perfekt auf die Roman-Vorlage des James Bond und sein Engagement für diese Rolle scheint keine Grenzen zu kennen. Hut ab. Die beiden Bondgirls Olga Kurylenko und Gemma Arterton kann man als gelungen Bezeichnen. Hier muss die wirklich gelungene Goldfinger-Hommage noch erwähnt werden. Netter Einfall. Schön auch, dass Jeffrey Wright als Felix Leiter wieder seinen Auftritt hat, ebenso Giancarlo Giannini als Mathis. Grosses Minus bekommt Dominic Green-Darsteller Mathieu Amalric. Durften früher Bondgegner noch extravagante Gentleman in fetten Villen sein, haben wir mit Green einen Typen, der mehr den durchgeknallten Informatiker darstellt, als den richtig bösen Bad Guy. Dementsprechend unspektakulär entledigt sich Bond dieser Person (die Idee mit dem Motor-Öl hatte aber was). Und sein Helfershelfer Elvis, gespielt von Anatole Taubmann, hätte auch Averell Dalton heissen können. Kein Vergleich zu anderen Helfershelfern der Bondgeschichte - auch nicht der jüngeren Bondgeschichte. "Ja Mami, s isch heiss da..." Super.... Ich mag ich noch erinnern, wie die Schweizer Presse Taubmann als neuen Bond-Bösewicht hochgejubelt hat. Nichts gegen Taubmann. Aber das war ja wohl mehr eine kleine nette Nebenrolle mit etwa 6 Sätzen, welche absolut nichtssagend waren. Eine der überflüssigsten aller Bond-Figuren.
Fazit: Die Enttäuschung sitzt tief. Stets habe ich die neuen Bond-Filme trotz der steigernden Anzahl an Action, als Bond-Filme akzeptieren können - doch alles hat ein Ende. "Quantum of Solace" hätte auch der vierte Teil der Jason Bourne-Reihe sein können. Und als Action-Film mag das ganze Geschehen ja sogar sehr gut funktionieren. Jedoch ist dies hier definitiv kein Bond-Film. Und spätestens, nachdem Bond die Leiche seines Kollegen und engsten Vertrauten auf den Müll geworfen hat, fragt man sich, warum man ein herrliches Gerne so brutal in den Dreck fahren darf. Die Enttäuschung sitzt wirklich tief.
Nach Seagals "Half Past Dead" schrie wohl wirklich niemand nach einer Fortsetzung. Die wunderbare Welt des B-Movies macht's jedoch möglich und bescherrte uns "Half Past Dead 2" - dessen deutscher Titel "Halb Tot 2" auch "Gehirntot 2" hätte heissen können.
Inhalt:
Der schwarze Häftlich Twitch (Kurupt) büst auf der Gefängnisinsel New Alcatraz seine Strafe ab. Er provoziert einen Streit um nach Creighton - einem Gefängnis auf dem Festland - verlegt zu werden. Von dort erhofft er sich bessere Fluchtmöglichkeiten. Doch in Creighton gerät er sofort zwischen die Fronten der befeindeten weissen und schwarzen Gefängnisgangs. Er versucht sich mit dem eiskalten Einzelgänger Burke (Bill Goldberg) anzufreunden. Am Besuchstag kommen die Freundin von Twitch und Burks Tochter in den Knast. Kurz danach wird der schwarze Gangboss Angel ermordet und Burke beschuldigt. Eine Revolte bricht los, alle Türen werden automatisch verriegelt und die beiden Frauen laufen auf der Suche nach einem Ausweg direkt dem Mörder Cortez in die Arme. Ein unerbittlicher Kampf auf Leben und Tod entbrennt.
Einen Flop wie "Half Past Dead" weiterzuführen muss wohl eine absolute Verzweiflungstat gewesen sein. Als erstes - Seagal ist nicht dabei - gut für ihn, denn dieses Werk ist noch ein paar Runden schlechter als sein Vorgänger. Die Hauptrolle übernahm Wrestler Bill Goldberg. Nur Rapper Kurupt als Twitch (hatte im ersten echt ne kleine Nebenrolle) und Tony Plana als El Fuego kehren wieder zurück. Unter den Bad Guys ist immerhin Robert LaSardo zu finden, welcher schon zig Auftritte in grossen Produktionen und TV-Serien hatte (demnächst auch in "Death Race" zu sehen) und vorallem wegen seiner Unmengen an Tattoos dem Zuschauer im Gedächtnis haften bleibt. Der Rest des Casts bleibt blasser als blass und mag ich echt nicht erwähnen.
Bill Goldberg als Hauptdarsteller - das geht gar nicht. Zwar symphatisch wirkend, läuft er trotzdem statisch durchs Bild und spult seine Dialoge im Autopilot-Modus runter. Gut auswendig gelernt - schlecht vorgetragen. Das Fightniveau bewegte sich zwischen lahm und anfängerhaft. Speziell die erste Szene, die sogenannte Prügelei auf dem sogenannten New Alcatraz, erinnerte mehr an ein paar Kindergärtner, welche sich ums Pausenbrot hauen - und bei denen tuts wenigstens richtig weh. Goldberg zeigt zwar ein paar nette Wrestling-Moves, aber richtig gut kommt's nicht rüber, was jedoch in der Verantwortung von Regisseur Art Camacho lag. Der verschaffte sich immerhin ein kleines Cameo. Näher an Hitchcock wird er wohl nie kommen.
Nein, "Half Past Dead 2" ist definitiv keine Perle des B-Movies. Schon alleine in der Story happerte es wo es nur ging. Da wurde Burke beschuldigt den Gangboss Angel in der vollen Kantine erschossen zu haben. Ehm... hallo?? Jeder, wirklich jeder hat gesehen, dass ers nicht gewesen war. Essen austeilen und einen Typen niederballern geht gleichzeitig schlecht. Zudem, wo hat der Bad Guy die Knarre her? Warum labbert Twitch die ganze Zeit Müll? Warum fragt Burke lieber den Twitch über seine Vergangenheit aus, anstatt mit Volldampf seine Tochter zu retten? Meine Fresse...
Fazit: Leider ist der Müll unterhaltsam. Wars das Suchen der Fehler? Oder die Unfähigkeit des anwesenden Personals? Machen wir's kurz - Dreck, keinen Cent wert, jedoch leicht unterhaltsam. Weiss nur noch nicht, weshalb...
Die Fortsetzung von "Walking Tall: The Payback" liess nicht lange auf sich warten. Back to back gedreht erschien das Werk ein paar Monate nach dem ersten Ableger des Kinofilms, wiederrum mit Kevin Sorbo in der Rolle des Nick Prescott.
Inhalt:
Nachdem er in seiner Heimatstadt gründlich aufgeräumt hat, gibt Nick seinen Job als County Sheriff auf und zieht nach Dallas, um mit einer FBI-Agentin und ihrer 12-jährigen Tochter ein neues Leben zu beginnen. Allerdings wird ihm ziemlich bald klar, dass ihn seine neue Rolle als "der Lebensgefährte" nicht ausfüllt. Als ein skrupelloser Drogenboss es auf mehrere Zeugen in einem Bundesprozess abgesehen hat, wird Nick plötzlich in einen Krieg verwickelt, in dem er niemandem trauen kann. Denn dieses Mal befindet er sich auf dem Territorium der Gangster und tritt gegen eine erbarmungslose Armee brutaler Verbrecher an. Nicks Art von ländlicher Justiz scheint in den Straßen der Großstadt wenig ausrichten zu können, aber er ist zu allem bereit, um die Menschen, die er liebt, zu beschützen.
Es muss schon gesagt werden, dass die Walking Tall-Filme mit Sorbo (trotz meiner heftigen Benotung des ersten Teils) nicht als ganz schwach angesehen werden können. Das liegt zum einen am symphatischen Hauptdarsteller, der in Zukunft hoffentlich noch oft Rollen dieser Art bekommen wird, zum anderen an der auch hier ordentlichen Inszenierung. Musste "The Payback" jedoch noch als leicht ungenügend bewertet werden, machte "Lone Justice" nun doch mehr richtig als falsch.
Als erstes wirkt die Szenerie weniger verkrampft. Da darf sogar mal gelacht werden. Die Szene im kleinen Shop zu beginn, welche sonst typisch für Seagalfilme war, ist köstlich. Versucht Sorbo hier mit einer Konservendose einer der Bad Boys auszunocken, trifft er versehentlich den Ladenbesitzer, welcher sofort mit einer gebrochenen Nase zu Boden geht. Das wär dem Steven nie passiert. Dafür ist's um so witziger mal zu sehen, dass eben doch mal etwas schiefgehen kann. Doch, Sorbo macht seine Sache wirklich gut.
Auch der Rest des Casts darf als ordentlich angesehen werden, obwohl auch hier keiner weder auf- noch abfällt. Schön ist jedoch, dass der Cast aus Teil 1 wieder zu sehen ist. Und da die Charaktere nicht ganz nach 08/15-getrimmt und dazu noch symphatisch wirken, wirkt das Geschehen interessanter und macht Spass. Die Story um Intrigen innerhalb der Behörden ist banal, aber straight forward auf ein explosives Ende zugehend. Keine Subsub-Plots oder so was. Auch der Faktor "Gewalt" ist in "Walking Tall: Lone Justice" not bad. Da wird gefoltert in bester Lethal Weapon-Manie, zudem gibts noch ein wenig Gore, als auch ein paar Gliedmassen sich abgetrennt auf dem Boden wiederfinden. Ja, da war sogar ich kurz überrascht, hätte ich doch so eine Szene in diesem netten ländlich angehauchten Streifen nicht erwartet.
Fazit: "Walking Tall: Lone Justice" ist besser als sein Vorgänger. Sorbo ist ein passender Titelheld und füllt seine Rolle auch gut aus. Als B-Movie weiss "Walking Tall: Lone Justice" definitiv zu gefallen. Irgendwie wünsche ich mir da noch eine weitere Fortsetzung.
Bernd Eichingerist zur Zeit Deutschlands Garant für Big Movies. Was er anfasst, wird zu Gold. "Der Untergang" war sensationell, "Das Parfüm" darf ebenso mit einem "sehr gut" bewertet werden. Konnte "Der Baader Meinhof Komplex" die Messlatte oben halten?
Inhalt: Ende der 60er Jahre in Deutschland. Während einer Demonstration gegen den Schah von Persien, eskaliert die Situation. Die persischen Anhänger gehen auf die Demonstranten los, während die anwesende Polizei die Hilfe verweigert und sogar selbst brutal gegen die Demonstrierenden vorgeht. Andreas Baader (Moritz Bleibtreu) und seine Partnerin Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) haben keine Lust mehr, diesem Treiben weiter zuschauen zu müssen und starten einen gewaltsamen Widerstand gegen den Staat, gegen die USA und den Vietnamkrieg. Ihre Aktionen finden Anklang und ihre kleine Guerilla-Armee vergrössert sich stetig. Auch die Journalistin Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) schliesst sich der Roten Armee Fraktion an...
Schon faszinierend. Das deutsche Kino scheint sich meines Erachtens wirklich mehr und mehr zu steigern. Sicher auch dank Bernd Eichinger und seinen wirklich grossen Produktionen, die sich hinter den Big Bangs from US wirklich nicht zu verstecken brauchen.
Um es gleich zu sagen - ich schreibe hier ein Review über den Film - nicht über die die Geschichte der RAF. Obwohl sehr an Geschichte interessiert (Grüsse an "Coco" Wacker) und obwohl mir die RAF bekannt war, ist mir der genaue Ablauf der Dinge und die Geschehnisse drum herum nicht ganz bekannt.
Was Bernd Eichinger hier an Darstellern für den Big Screen zusammengetrommelt hat, ist genial. Eine grössere Ansammlung an Schauspielkompetenz gibts sonst in nur wenigen Filmen zu bewundern. Angeführt von Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek und Martina Gedeck, erzählt der Film die Geschichte der RAF, deren Ursprung, deren Startschuss, deren Erfolge und Misserfolge bis zum Ende der ersten Generation der RAF. Die Darsteller sind exzellent besetzt. Bleibtreu als Baader, das passt, genauso wie die anderen Darsteller. Hier fällt keiner weder ab noch auf. Im Gegenteil. Faszinierend, dass sogar ein Tom Schilling (der demnächst die Hauptrolle in "Mein Kampf" spielen wird) in einer wirklich kleinen Nebenrolle seinem Charakter soviel Leben einhauchen kann. Einfach nur Hut ab. Sogar das Fehlen eines Til Schweiger, Daniel Brühl oder eines Heiner Lauterbachs kann man bei diesem "Who's Who" der deutschen Filmszene leicht verschmerzen, ist doch zum Beispiel auch Alexandra Maria Lara, Hauptrolle in "Der Untergang" mit von der Partie. Und auch Bruno Ganz ist ebenfalls mit dabei. Jedoch muss ich sagen, dass der Schatten seiner Rolle in "Der Untergang" so dermassen über ihm hängt, als ob er stets vom imperialen Marsch in Star Wars begleitet würde.
Der Film geht zügig voran. Locationwechsel gibts zu Hauf (kam mir sogar kurz vor wie in einem alten Bond-Streifen, als wir Rom und anschliessend Jordanien sahen), ebenso spart Regisseur Uli Edel nicht mit Action oder mit nackter Haut (ich sag nur: Badewanne). Auch durch die teils rüden Dialoge (Baader: "Fooootzeeeeen"...), das stellenweise grobkörnige Bild und dem passenden Soundtrack der sechziger und siebziger Jahre fühlt man sich oft wie in einer Dokumentation. Wie Zahnräder passen die einzelnen Elemente des Films ineinander.
Bemängeln muss man eigentlich nur, dass der Film nach der Verhaftung der ersten RAF-Generation an Fahrt verliert, was man eigentlich weniger den Filmemachern oder den Darstellern ankreiden kann, da sich die Geschichte halt nun mal nicht ändern lässt. Doch auch in den Gefängnisszenen können Bleibtreu und Co. stets überzeugen.
Was ich persönlich sehr schade fand - obwohl das Ende den Film würdig abschliesst - die Geschichte der RAF ist ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorbei. Hier hätte ein bebilderter Zeitraffer, oder zumindest eine chronologische Übersicht der weiteren Geschehnisse gut getan.
Fazit: "Der Baader Meinhof Komplex" ist meines Erachtens der grösste Deutsche Film, der mir bisher unter die Augen kam. Ganz ganz grosses Kino. Da drücke ich den Deutschen doch wirklich die Daumen, dass der angestrebte Oscar auch wirklich an dieses, ich nenne das Wort nun, Meisterwerk geht.
Sylvester Stallone hatte vor seinem grandiosen Comeback mit "Rocky Balboa" eine Phase der Erfolglosigkeit. Seine Filme kamen nicht mehr ins Kino, waren nicht mehr massentauglich und seine Tage als Publikumsmagnet schienen endgültig vorüber zu sein. "Get Carter" ist einer dieser Filme, welcher an den Kinokassen bei Unkosten von etwa 40 Millionen Dollar und einem weltweiten Einspielergebnis von etwa 20 Millionen Dollar brutal unterging...
Inhalt: Geldeintreiber Jack Carter (Stallone) fährt zur Beerdigung seines Bruders. Bereits auf der Rückreise wird ihm aber klar, dass dieser nicht bei einem Autounfall ums Leben kam, sondern ermordet wurde. Jack will den Mörder finden: Wie Witwe des Bruders, ihre Tochter Doreen (Rachel Leigh Cook), der ehemalige Arbeitskollege Cyrus Paice (Mickey Rourke) und der Mittelsmann Cliff Brumby (Michael Caine) sind nur einige Verdächtige...
... eigentlich schade, floppte "Get Carter" auf diese harte Art und Weise. Denn, es darf gesagt sein, so schlecht ist dieses Werk gar nicht.
Stallones "Get Carter" ist ein Remake eines 70er-Jahre Films, in welchem Michael Caine, der hier eine Nebenrolle hat, welcher sinnigerweise ebenfalls "Get Carter" heisst. Ich muss zugeben, dass ich den alten Carter-Film nie gesehen habe und so total unbelastet dieses Werk angehen konnte und so den üblichen ist besser/schlechter-Vergleich gar nicht machen musste.
At first, Stallone beweist hier Screenpräsenz. Im Armani-Anzug, mit Tie-Bart und mit stets gut frisierten Haaren, fragt und prügelt sich good old Sly durch die 99 Filmminuten - stets wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Auch die stilleren Szenen mit seiner Filmnichte Rachel Leigh Cook absolviert er ordentlich. Rachel selbst macht ihre Arbeit ebenso ordentlich. Mickey Rourke als Cyber-Zuhälter Cyrus Paice kann überzeugen, ebenso Miranda Richardson und Michael Caine, der Hauptdarsteller des ersten Filmes, der hier jedoch die eher kleinere Rolle des Bad Guys einnimmt.
Regisseur Stephen Kay lieferte keine schlechte Arbeit ab. Stellenweise ein wenig übermotiviert wirkt zwar seine Regie, trotzdem setzte er Sly gut in Szene. Gesagt werden muss, dass dem Film eine Brise mehr Action gut getan hätte. Denn Sly war hier echt gut drauf - da hätte echt noch ein wenig mehr Härte dem ganzen geschehen gut getan. Dafür hat der Film einen geilen Soundtrack zu bieten, den ich schon seit Jahren in den Ohren habe.
Fazit: "Get Carter" ist ein Film, der meines Erachtens doch etwas zu Unrecht verrissen wurde. Klar, ein ganz grosser Wurf ist dieser Streifen nicht. Aber von Stallones schwächeren Filmen (alles nach "Copland" bis zu "Rocky Balboa") ist dies für mich klar der Beste. Speziell die Atmosphäre des Films und Stallones Schauspiel machen einiges an Boden gut, auch wenn die stellenweise fehlende Action und das doch leicht vorhersehbare Drehbuch negativ zu werten sind. Trotzdem...